Die Geschichte der Strohsemmeln


   
   

Das wohl bekannteste Gebäck Lippes ist sicherlich die Lemske Strauhsemmel (Lemgoer Strohsemmel), die allerdings nicht nur in Lemgo, sondern auch in vielen anderen Städten des Landes hergestellt wird. Einer alten Überlieferung zufolge wurde das Rezept für die Strohsemmel von einem unbekannten Bäckergesellen und Soldaten im napoleonischen Feldzug 1812 aus Rußland nach Lippe mitgebracht. In Horn soll dieser Bäckergeselle einen Bäckermeister aus Lemgo getroffen haben, dem es gelang, ihm das Rezept abzuluchsen und die Strohsemmel in Lemgo einzuführen. Eine andere Überlieferung macht den Lemgoer Bäckergesellen Conrad Ludwig Richter zum "Vater" der Strohsemmel. Nach Beendigung seiner Wanderjahre verlegte der junge Bäcker Richter im Jahre 1828 seinen Wohnsitz in die Residenz Detmold und eröffnete dort in der Schülerstraße in unmittelbarer Nähe der damals noch nicht abgebrochenen Kapelle des Augustiner-Nonnen-Klosters eine Bäckerei, in der man schon bald Strohsemmeln kaufen konnte. Beide Überlieferungen berichten, daß das Rezept der Strohsemmeln immer als Familiengeheimnis gehütet worden sei. Da aber spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur die Bäckerei Richter in Detmold und die Bäckerei Kracht in Lemgo, sondern auch zahlreiche andere Bäckereien in Lippe Strohsemmeln backten und verkauften, muß sich das "Geheimrezept" unter Lippes Bäckern doch relativ rasch herumgesprochen haben. Schon bald ließ auch das Detmolder Fürstenpaar bei größeren Festessen Strohsemmeln auftischen. Gäste vom Anhaltischen Hof, die während eines dieser Feste in Detmold zu Besuch waren, fragten später in einem Brief beim lippischen Fürsten nach dem Rezept der Strohsemmel, ohne es jedoch zu erhalten! Egal ob die Strohsemmeln sich nun zuerst in Detmold oderin Lemgo durchgesetzt haben: Entscheidend ist, daß sie sich noch heute in beiden Städten größter Beliebtheit erfreuen und oft schon am Vormittag ausverkauft sind.
Das Besondere an der Strohsemmel ist wohl auch weniger das Rezept als die Herstellungsart: Zum einen wird der Teig gebrüht; zum anderen werden die gebrühten Teigstücke auf einer Strohunterlage an Stelle eines Backbleches abgebacken. Es ist unklar, ob der lippische Bäckergeselle das Strohsemmelrezept in Rußland erfahren oder auf der Flucht selbst erfunden hat. Fest steht, daß das Brühen von Mehlteigen bei den russischen Bauern weit verbreitet war. Das Abbacken auf Stroh mag hingegen vielleicht eine aus der Not der Flucht heraus geborene Idee des Bäckergesellen gewesen sein. Beliebt gemacht hat die Strohsemmel vor allem ihre lange Haltbarkeit. In hübschen Dosen verpackt wird sie heute auch ins Ausland -"oft bis nach Übersee"- exportiert. In Lippe verzehrt man sie in der Regel mit Butter, bisweilen auch mit Schinken oder lippischer Mettwurst.

[ Quelle: "So koch(t)en die Lipper" von Bettina u. Michael Vogtmeier]

   


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